Nowotscherkassk: Razzien in Kirchengemeinden

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Einschüchterung der Zivilgesellschaft?

Nicht nur ausländische Nichtregierungsorganisationen (NGO) werden von den Behörden verdächtigt, die russische Opposition zu stärken. Die Kampagne zur Überprüfung der NGOs auf Verbin-dungen zum Terrorismus und auf evtl. Finanzierung ihrer Tätigkeiten aus dem Ausland, im Juni 2012 per Gesetz beschlossen, hat nach den Menschenrechtsorganisationen nun die Kirchengemeinden erreicht. Ins Visier der „Staatsschützer“ sind hier vor allem die nicht-orthodoxen Gemeinden geraten.

In Nowotscherkassk hat es zuerst die kleine katholische Gemeinde erwischt. Ihre 50 Mitglieder nutzen ein Kirchlein aus dem späten 19. Jh. gegenüber der Universität. Wie die Internetplattform newsru.com am 1. April verbreitete, wurde die Gemeinde am 15. März überprüft.

Vergehen im Sinne des o.g. Gesetzes seien nicht festgestellt worden. Mangels anderer handfester Vorwürfe wurde die Gemeinde wegen fehlerhaftem Brandschutz verklagt und zu einer drakonischen Strafe von umgerechnet mehr als 11000 € verdonnert, die innerhalb eines Monats bezahlt werden müsste. Um den Brandschutz zu verbessern seien weitere 5000 € nötig, was allein schon fast das Doppelte der jährlichen Einnahmen der Gemeinde ausmache. Dies dürfte für die kleine Gemeinde das baldige Aus bedeuten. Mit Rechtsstaatlichkeit hat das wohl wenig zu tun. Der seit Januar tätige Gemeindeleiter Alexej ist zudem noch mit einer persönlichen Strafe von 675€ belegt worden.

Am 30. März bekam die protestantische Gemeinde von Pastor Romanenko "Besuch". Während des Gottesdienstes erschienen Vertreter von Staatsanwaltschaft, Katastrophenschutz, Feuerwehr und Geheimdienst FSB. Sie begannen sofort mit ihrer Überprüfung der Gebäude, des Büros; einen Durchsuchungsbefehl o.ä. legten sie nicht vor. Romanenkos Gemeinde hat nichts zu verbergen, da ist sich das Hilfswerk Kirche im Osten absolut sicher. Wir kennen unsere russische Partnerkirche gut. Sie haben überhaupt keine politischen Ambitionen oder Interesse, Unruhe zu stiften, sondern sind, wie Romanenko hervorhebt, "friedliche Leute, die Gott und ihr Land lieben und sich um seine Menschen bemühen“.

Da in baulichen und Brandschutzfragen alles in Ordnung sein dürfte, befürchtet Kirche im Osten keine strafrechtlichen Folgen. Allerdings könnten die „Organe“ versuchen, irgendwo ein Haar in der Suppe zu finden, um der Gemeinde Schwierigkeiten zu bereiten. Gott sei Dank ist Pastor Vladimir Romanenko nicht so leicht einzuschüchtern, sondern mutig und gut informiert. So verweigerte er unter Hinweis auf das Gesetz den Einblick in die Mitgliederliste. Inzwischen hat Romanenko Kontakt zum Bürgermeister aufgenommen und sich im Namen verschiedener Kirchengemeinden über die willkürliche Behandlung beschwert.

Wir warten auf weitere Informationen aus Nowotscherkassk und berichten dann erneut.

Bitte begleiten Sie unsere Geschwister in Russland im Gebet.

Jutta Stricker, Vorsitzende

 

volodja predigt

 

 

 

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