"Komm herüber und hilf uns!"

 

Unsere russische Partnergemeinde im Einsatz für ukrainische Baptisten
Pastor Vladimir Romanenko aus Nowotscherkassk berichtet von einem nicht ungefährlichen Einsatz in dem von Separatisten beherrschten Gebiet.

Mitte Oktober unternahm ich mit einigen Begleitern eine Fahrt nach Lugansk im Südosten der Ukraine Wir wollten dort eine Gemeinde mit Hilfsgütern beliefern und selbst die Situation in Augenschein nehmen. Mit 2 voll beladenen Autos machten wir uns auf den Weg Richtung Grenze. Auf russischer Seite war die Grenzstation intakt, aber 500m weiter auf ukrainischer Seite war sie vollkommen zerstört, ebenso die Nachbargebäude. Hier hatten heftige Kämpfe stattgefunden. Überall gab es Spuren von Kämpfen: ausgebrannte Kriegstechnik und zerbombte Häuser.
Unser Ziel war die Immanuel-Gemeinde, hierhin brachten wir die Hilfsgüter und hier trafen wir auch die Mitarbeiter anderer Lugansker Baptistengemeinden. Ihre Berichte über das Leben in der Stadt unterscheiden sich gewaltig von dem, was die Massenmedien in Russland, der Ukraine und im Westen berichten.

Zuerst trafen wir nahe der Kirche auf etwa 10 Bewohner dieses Viertels. Sie waren dabei, mit Hilfe der Gemeinde ihre Handys und Scheinwerfer aufzuladen. In vielen Hochhäusern gibt es weder Wasser, Strom noch Heizung. Man sieht viele zerborstene Fensterscheiben, neues Glas gibt es kaum zu kaufen.

Schon seit einiger Zeit organisieren die Brüder aus der Gemeinde Hilfe für die Nachbarschaft. In den Kampfpausen haben sie aus Brunnen außerhalb der Stadt etwa 250 5l-Flaschen Wasser geholt und an die Leute verteilt. Über einem Kanalisationsschacht haben sie für die Familien aus dem umliegenden Viertel eine hölzerne Toilette aufgebaut. Im Keller unter der Kirche haben sie einen bombensicheren Raum eingerichtet, in dem bis zu 250 Menschen Platz finden. Dort halten sich ständig 80 Personen auf. E gibt Schlafplätze für die Bewohner der angrenzenden Häuser, Betten, Wasser und sogar Licht vom Dieselgenerator.

Die mitgebrachten Lebensmittel haben wir im Vestibül der Kirche verteilt: Reis, Nudeln, Grütze, Sonnenblumenöl, Konserven (Fisch, Fleisch, Milch) sowie einige Pakete mit warmer Kleidung. Wir wollten unsere Autos eigentlich im Hof der Gemeinde entladen, aber der Pastor bat uns, das öffentlich zu tun und die Wagen nicht von der Straßenfront der Kirche zu entfernen. Alle sollten die russischen Autonummern sehen, ein Zeichen dafür, dass Russen zum Helfen gekommen sind. Andere Autos mit russischen Nummernschildern haben wir in Lugansk nicht gesehen.

Apotheken arbeiten nicht und die Leute haben kein Geld, deshalb besteht ein besonderers großer Bedarf an Medikamenten (für Herz, Blutdruck, Diabetiker sowie andere einfache geprüfte Arzneimittel), Hygienemittel, Pampers für Kinder und besonders für Erwachsene.

Wir haben Kontakt zum Stab der Lugansker Volksrepublik auf und trafen den Vizepremier. Wir wollten uns vorstellen und um Schutz für der örtlichen Kirchen bitten. Einige Gemeindehäuser hat man schon konfisziert und will das wohl auch weiterhin tun. Dieser Beamte versprach seine Mithilfe, das Treffen war konstruktiv und hoffentlich nützlich. Bereits im September haben orthodoxe Kosaken in einigen Orten den Baptisten ihre Gemeindehäuser weggenommen. Man beschimpft sie als Sektierer und amerikanische Agenten. Der ukrainische Baptisten-Bischof hat uns russische Brüder um Hilfe gebeten, da wir ja in der Hauptstadt der Donkosaken leben. Aber unsere Kosaken haben mir gesagt, dass das nicht ihre Leute seien.

Am Rande von Lugansk einer der vielen zerschossenen Panzer, hier fanden heftige Kämpfe statt, große Gruppen ukrainischer Kämpfer wurden umzingelt und zerschlagen. Die Straße und alle Häuser der Umgebung sind zerstört. Wie im Krieg. Ein Foto zur Erinnerung, solange der Metallschrott noch nicht abtransportiert und verkauft worden ist. Andere Kriegstechnik wurde schon zersägt, dieser Panzer hat seinen neuen Besitzer noch nicht gefunden. Wem gehört er jetzt?

Es gibt noch viele weitere Fotos, aber bisher hatte ich keine Zeit, alle anzuschauen. Wir haben dort unsere Brüder und Schwestern zurückgelassen, die treu ihren Dienst fortführen. Etwa 50% von ihnen sind geblieben. Vor den Menschen liegt der kalte und Hunger bringende Winter. Gott sei Dank, dass es dort unsere Gemeinden gibt, sie sind «kleine Inseln des Lebens».

PS Direkt nach unserer Abreise, am nächsten Tag, kamen bewaffnete Leute und gaben den Gläubigen der Gemeinde 2 Tage zum Räumen ihrer Kirche. Sie hatten Gefallen an dem Gebäude im Zentrum der Stadt gefunden. Offensichtlich waren es nicht die Separatisten, sondern irgendeine marodierende Bande, von denen es reichlich gibt. Die herrschenden Separatisten haben sogar eine Wachmannschft zum Schutz dieser Gemeinde aufgestellt. Diese Übergriffe sind jedoch die Antwort der Gegner Kiews auf die Verbrechen der ukrainischen Nationalisten.

Wie es weitergeht? ich weiß es nicht. Wir rufen alle Christen zum Gebet und zur Hilfe für die Bedrängten auf.

«Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen»
(1. Joh. 3,16)

Pastor Vladimir Romanenko

 

 

 

 

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