Grußwort von Pastor V. Romanenko

anläßlich des Städtepartnerschaftsjubiläums Iserlohn - Nowotscherkassk am 8. August 2015

Die Vorsitzende des Hilfswerks Kirche im Osten, Jutta Stricker,  verliest, nach einigen einleitenden Worten, das Grußwort aus der Partnergemeinde in Nowotscherkassk:

Partnerschaft der Tausend Gesichter
Sehr geehrter Herr Konsul Pyatin!
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Ahrens!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Freunde aus Nowotscherkassk!

Aus den ersten Begegnungen zwischen Iserlohner und Nowotscherkassker Bürgern ist zu Beginn der 90er Jahre gewissermaßen die kirchliche Schwester der Städtepartnerschaft hervorgegangen: das Hilfswerk Kirche im Osten e.V. Auch auf dieser Schiene haben viele Reisen in beide Richtungen stattgefunden und es ist hier ebenso eine Partnerschaft der Tausend Gesichter gewachsen. Und das
kann man sogar wörtlich nehmen, denn allein die Aktion Babuschka hat dazugeführt, dass sich mittlerweile einige Hundert deutsche Paten und ihre russischen Omas bzw. Opas gesehen haben – zumindest auf dem Foto, das der eine vom anderen hat. Viele schreiben einander, meist zu Weihnachten; und dass diese mehr als 200 Briefe im Jahr über meinen Schreibtisch gehen, ist für mich
eine große Freude und beweist, wie lebendig diese Verbindung ist.

Eines der in Iserlohn bekanntesten Gesichter aus Nowo ist sicherlich das von Pastor Romanenko. 20 Mal war er in Iserlohn und jedesmal hat er auf einer gut besuchten Veranstaltung vielen Iserlohnern berichten können. Sein Besuchstermin ist ja in der Regel der November - wir hoffen, dass es auch in diesem Jahr klappen wird – so hat er zum heutigen Anlass ein Grußwort geschickt, das ich Ihnen gern verlesen möchte.

Sehr geehrte Mitglieder des Iserlohn - Nowotscherkassk - Komitees!
Sehr geehrte Freunde in Iserlohn!

Herzliche Gratulation zum Jubiläum, Ihnen und allen Iserlohnern, die an den Dutzenden wohltätiger Projekte in den 25 Jahren der Partnerschaft Anteil gehabt haben. Wir kennen nicht im Detail das Ausmaß dieser wichtigen Arbeit und können uns nur dankbar auf das beziehen, was wir durch das Hilfswerk Kirche im Osten erhalten haben. Seit 1990 hat unsere Gemeinde eine große Welle der
Hilfsbereitschaft erfahren. In den schwierigen 90er Jahren wurden etwa 36 LKWs mit Kleidung und Lebensmitteln von Kirche im Osten an uns geschickt, die kostenlos an bedürftige Bewohner unserer Stadt verteilt wurden, sowie auch an soziale Einrichtungen wie Kinderheime, Internate, Altenheim, Straflager und das Haus des Kindes. Wir erfuhren Hilfe beim Wiederaufbau des Kulturdenkmals
der alten Deutschen Kirche von 1897 und beim Bau der neuen Kirche in der Siedlung Donskoj.
In den 90er Jahren hat das Militärhospital für verwundete Soldaten aus dem Tschetschenienkrieg medizinische Ausrüstung und Nahtmaterial im Wert von 150 Tausend DM erhalten. Dazu gibt es vielfältige Hilfen für kinderreiche Familien und blinde Menschen in unserer Stadt wie auch eine beständige Unterstützung für Waisenkinder in den Kinderheimen und Internaten sowie für das kirchliche Mädchenheim.
Die Aktion Babuschka verbindet seit 2001 deutsche Familien und russische Veteranen und Rentner und schenkt ihnen Austausch und Unterstützung. Jeden Monat bekommen 160 Nowotscherkassker Rentner und mehr als 60 alte Menschen in anderen Städten der Oblast (Taganrog, Nowoschachtinsk, Schachty und Bagajewski) ein Lebensmittelpaket im Wert von 800 Rubel.
Schließlich ist noch die Hilfe für Bewohner und Flüchtlinge aus der Süd-Ostukraine zu nennen, wo der Krieg schon im 2. Jahr andauert.
Dies und noch viel mehr verbindet unsere Völker und hilft, schwierige Lektionen der Vergangenheit und Probleme der Gegenwart zu bewältigen.
Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Iserlohn betrifft nicht nur das Materielle, sondern ist auch eine moralische Unterstützung für die Menschen und schenkt ihnen Kommunikation mit den Bürgern in Europa. Die Politiker Deutschlands und Russlands finden nicht immer gegenseitiges Verständnis; sie müssten von den einfachen Bürgern lernen, die den Krieg durchgemacht haben,
dass der Frieden gesucht werden muss und dass man sich um ihn bemühen muss. „Wende dich ab vom Bösen und tue das Gute, suche den Frieden und strebe ihm nach“, so heißt es im 1. Petrusbrief, Kap. 3, Vers 11. Wir hoffen, dass der Herr uns und Euch noch viele erfreuliche und angenehme Begegnungen auf dieser Erde schenkt.
Hochachtungsvoll und im Gebet für Sie

Gemeinde-Pastor Vladimir Romanenko

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