Stellungnahme nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine

 

Mit tiefer Betroffenheit und Entsetzen verfolgen wir die Nachrichten über den Angriff auf die Ukraine. Es scheint, als seien wir Zeugen eines gigantischen Schachspiels, das der kühle Stratege Putin dominiert. Grenzen werden einfach verschoben; wer zahlt wann welchen Preis dafür?

Überraschend ist nicht die Tatsache, dass Putin die Ukraine angreift, sondern eher die präzise Radikalität und Schnelligkeit, mit der er vorgeht. Es ist sein Krieg und der seiner „Elite“. Sie ziehen die Sache eiskalt durch – das allerdings mit Ansage seit mehr als 10 Jahren. Wir wissen von unseren Freunden in Nowotscherkassk, dass die meisten Menschen in Russland keinen Krieg wollen, aber sie wurden nicht gefragt und sind der Propaganda des Kreml ausgesetzt. Viele bangen um ihre Familien und Freunde jenseits der Grenze. Die Partnerstädte von Iserlohn, Dortmund, Lüdenscheid und Gelsenkirchen (Nowotscherkassk, Rostow am Don, Taganrog und Schachty) liegen direkt an der Grenze des Donbass, wo in den letzten Jahren schon viel Militär versammelt worden ist.

Pastor Romanenko aus Nowotscherkassk schreibt: „ja, das ist eine Katastrophe. So wie auch in Jugoslawien, Libyen, dem Irak und Syrien und an vielen anderen Brennpunkten!“ Des weiteren teilt er mit, dass seit dem 19. Februar viele Flüchtlinge in der Rostower Oblast angekommen seien; teils blieben sie, teils wurden sie weiterverfrachtet. Die Kirchengemeinden besuchen die Sammelstellen und versorgen die Menschen. Offiziell werde gesagt, dass die Evakuierung aus dem Donbass beendet sei und in den nächsten Tagen alle wieder nach Hause zurückkehren sollen.

Nun wird sehr viel in Frage gestellt werden, u.a. die Tragfähigkeit der deutsch-russischen Beziehungen und viel beschworenen Freundschaft. Bleiben wir dabei sachlich, wägen wir gut ab. Wir verurteilen jegliche Aggression und rufen auf, diesen brutalen Angriffskrieg zu beenden, der mit einem dreisten Lügengespinnst argumentiert. Die Politik muss zum Dialog zurückkehren. Verhandeln kann man aber nur, wenn man sich ernsthaft mit den gegenseitigen Argumenten auseinandersetzt. Politische Fehler wurden auf beiden Seiten gemacht, doch die Wahrheit wird am Ende gewinnen und das Lügen muss ein Ende haben.

Auch als Hilfswerk „Kirche im Osten“ mit seinem Schwerpunkt der humanitären Hilfe in unseren Partnerstädten müssen wir überlegen, was zu tun ist. Es wäre nicht gut, die alten, bedürftigen Menschen für das Handeln ihrer Führung zu bestrafen. Sie haben schon genug gelitten. Es war immer ein starkes Motiv für das Handeln des Hilfswerks, im Weltkrieg begangenes Unrecht wenigstens ein wenig gutzumachen.

Wir beten für und mit unseren Geschwistern beiderseits der Grenzen um Bewahrung. Und wir beten um Weisheit und Augenmaß bei den Verantwortlichen. Als Christen vertrauen wir darauf, dass Gott nicht abwesend ist. Er lässt es zu, dass Menschen Fehler, auch sehr schwere, begehen, aber Er leidet mit den Opfern. Zu seiner Zeit und auf seine Weise wird Er handeln. Wir hoffen auf baldigen Frieden und bitten Sie, mit dafür zu beten.

Jutta Stricker, M.A., Vorsitzende des Hilfswerks Kirche im Osten e.V., Iserlohn

 

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