Grund zum Feiern in unserer russischen Partnergemeinde

Zwei Jubiläen konnten unsere Geschwister in Nowo im Mai feiern: das 110. Jahr seit der Gründung der Baptistengemeinde in Südrussland und den 20. Jahrestag der Wiedererrichtung der ehemaligen deutschen lutherischen Kirche in Nowo durch die Baptistengemeinde, beides wichtige Ereignisse für die Kirche, die man für die „Außenwerbung“ zu nutzen wusste. Zum 110. Jubiläum füge ich die Übersetzung eines Zeitungsartikels bei; für deutsche Ohren mag der Bericht banal klingen, aber für aktuelle russische Verhältnisse ist er bemerkenswert. Denn die Würdigung der Arbeit einer protestantischen Gemeinde durch die Behörden ist absolut eine Seltenheit in der heutigen russischen Gesellschaft, in der die Religionsfreiheit nicht-orthodoxer Gemeinden wieder stark beschnitten wird. Nicht zuletzt durch ihr großes soziales Engagement hat die Gemeinde von Pastor Romanenko ein hohes Ansehen in der Stadt erlangt. Gott sei Dank! In kaum einer anderen Stadt ist es Protestanten noch erlaubt, in den Medien zu veröffentlichen oder ihre Seelsorgeangebote in staatlichen Institutionen anzubieten. Neugründungen und Neubauten werden kaum noch gestattet.

Jubilaum

 

Die Kirche des Herrn am Don

Die Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten in Nowotscherkassk feierte ihr 110. Jubiläum. Zwei Gedenktage führten am Sonntag, dem 17. Mai, Gemeindeglieder und Gäste in der Kirche der EChB zusammen. Anlass waren der 110. Geburtstag der EChB-Gemeinde in Nowo und 20 Jahre seit der Wiedereinweihung des Kirchengebäudes. Die Älteren erinnern sich daran, dass bis zum Beginn der 90er Jahre dieses architektonische Werk von Nikolaj Roller in äußerst schlechtem
Zustand war und langsam verfiel. Aber dank des guten Willens der damaligen Stadtverwaltung wurde es der Baptistengemeinde übertragen und mit den vereinten Kräften der Gemeindeglieder wieder hergestellt und nun erklingen in seinen Gewölben wieder Predigten und Lieder zur Ehre Gottes.

Nach den Worten eines Gastes, des Vertreters der Religionsbehörde, nehmen evangelische Christen am Don von der Zahl her den zweiten Platz hinter den Orthodoxen ein. Sie spielen eine konstruktive Rolle in der Gesellschaft und unterhalten gute Beziehungen zu Christen anderer Denominationen. Als Beispiel nannte er das Grußwort des orthodoxen Bischofs von Nowotscherkassk, welches sein Mitarbeiter verlas. Die Kirchenmitglieder begrüßten auch den ehemaligen Bürgermeister Prisjaschnjuk, der seinerzeit eine Schlüsselrolle in der Geschichte spielte, als das Kirchengebäude der Gemeinde übergeben worden war. Bis zu der Zeit versammelte sich die Gemeinde in einem kleinen Gebetshaus, das viel zu klein geworden war.

Prisjaschnjuk erinnerte sich an den erstaunlichen Enthusiasmus, mit dem die Gemeindeglieder am Wiederaufbau arbeiteten, nicht nur eigene Mitglieder, sondern Christen aus ganz Russland. An die Festgemeinde wandten sich auch der Bischof der Rostower Oblast, Vladimir Drok, und der Vorsitzende des Russischen Baptistenbundes, Aleksej Smirnov. Letzterer sagte in seiner Predigt, dass Christen niemals stehen bleiben, müßig sein oder die Hände in den Schoß legen dürfen. Sie
müssen unermüdlich wirken, ihren Glauben stärken und Gottes Haus bauen.

Eine Vertreterin der Stadtverwaltung verlas ein Grußwort des Bürgermeisters Kirginzew. Im Namen der Deputierten der Städtischen Duma gratulierte deren stellvertretender Vorsitzender. Umrahmt wurden Predigt und Grußworte von dem Gesang eines Quartetts aus Maikop, auch der Chor und die ganze Gemeinde sangen.

Der Pastor der Gemeinde, Vladimir Romanenko berichtete den Gästen, wie die heutige Gemeinde lebt. Seit 1988 führen sie Projekte in der Strafkolonie durch, bieten Sommerlager für Kinder an, und verbreiten über die örtlichen Medien christliche Programme, die glaubensferne Menschen ermutigen, sich an Gott zu wenden. Gemeindeglieder besuchen regelmäßig das Alten- und Invalidenheim und stärken seine Bewohner mit Wort und Tat. Sie arbeiten mit den Kindern in den
Waisenhäusern und Kinderheimen und bringen ihnen Geschenke. Seit 2001 gibt es das Heim für junge Mädchen, in dem Mädchen nach der Entlassung aus dem Waisenhaus aufgenommen werden, bis sie selbständig leben können. Ein großes Projekt war der Einsatz der Gemeinde für Flüchtlinge aus dem Donbass während der ersten Monate nach ihrer Flucht, gefolgt von der humanitären Hilfe für Bedürftige auf dem Gebiet der Ostukraine.

Seit vielen Jahren unterhalten die Nowotscherkasser Baptisten Beziehungen zu Glaubensgeschwistern in Deutschland. Im Rahmen des Projektes „Babuschka“ erhalten etwa 200 alte, einsame Menschen jeden Monat ein Lebensmittelpaket, für dessen Finanzierung die Deutschen sorgen.

Durch die aufgeführten praktischen Taten finden viele Menschen eine seelische Unterstützung, Halt und Hilfe unter dem Dach der Kirche in der Michajlovskaja-Straße und in den Filialkirchen. Der Festgottesdienst schloss mit einem Gebet für das Wohl der Stadt, ihrer Verwaltung und ihrer Bewohner.

Michail Martynow, Nowotscherkassker Nachrichten Nr. 19 vom 20.05.15 (gekürzt)

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